Im mitteleuropäischen Raum haben sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts mehrere Jugendliche, aber auch Angehörige älterer Jahrgänge getroffen, um sich Gedanken darüber zu machen, was man tun könne, um die Gesellschaft menschlicher zu gestalten. Die Zeitsituation wurde als bedrohlich empfunden. Aber man sah auch teils vorhandene und teils noch auszulotende Möglichkeiten, sich schöpferisch in die gesellschaftlichen Prozesse einzubringen. Die Beteiligten ordneten sich politisch weder als rechts, noch links stehend ein und verzichtete bewusst auf jede ideologische Fixierung oder schematisierendes und pauschalisierendes Denken. Gerade die Kräfte, die aus dem kulturellen und spirituellen Bereich fließen, wollte man aufspüren, wachrufen und bündeln, um so die Grundlagen zu einer Zusammenarbeit ganz unterschiedlicher Strömungen zu schaffen, die sich in ihren zentralen Werten begegnen können – über alle räumlichen Grenzen hinweg. Klar war, dass dies nur unter solchen Menschen und Menschengruppen möglich wäre, die weder offen, noch insgeheim sektiererische Bestrebungen gleich welcher Richtung verfolgen Es fanden weitere Treffen statt, unter Anderem in Karlsruhe unter dem Motto „Kinder Europas“ (in Anlehnung an das mit diesem Ort verbundene Schicksal Kaspar Hausers), sowie Veranstaltungen zu tieferen geistigen Fragen, z.B. mit dem Referenten Willi Seiß. Auch wurden einzelne Projekte impulsiert. In dem Leuchtturm (nicht zu verwechseln mit dem Wachturm, der eine andere Bedeutung hat), hatten die Mitwirkenden ein aussagekräftiges Symbol erkannt, dass ihre besondere Zielrichtung ausdrückte: Menschen zu verbinden, ihnen Orientierung und Hoffnung zu vermitteln. Und in Einklang mit der Bedeutung dieses Symbols wurde diese Initiative als Junges Unternehmen Lichtblick (JUL) bezeichnet. In einer umfangreichen Vorstellungsbroschüre wurden die Beweggründe und die anvisierte Arbeitsweise formuliert.
Die Verwirklichung solcher Bestrebungen kann aber, wie sich bald zeigte, nur bedingt „von oben“, d.h. auf abstrakte Weise geschehen und eine zu feste Organisationsform widerspricht dem freien Charakter einer solchen Initiative. Darum sind einige wesentliche Inhalte der damaligen Gespräche und Absichten im Folgenden veröffentlicht, um als Anregungen und möglicherweise verbindender Bezugspunkt für Menschen, die Gleiches anstreben, zu dienen. Wenn jeweils vor Ort Persönlichkeiten, Gruppen und Initiativen hierdurch angestoßen werden oder auch von sich aus in diesem Sinn wirken, werden sich ihre Bestrebungen sogar unabhängig voneinander ganz von selbst ergänzen und auf ein gemeinsames Ziel zulaufen. Darüberhinaus werden hier neben Textmaterial auch Initiativen und Menschen vorgestellt, die in einem realen, konkreten Bezug zu dem Kreis, aus dem die Idee des JUL hervor ging, stehen, so dass nicht einfach nur eine abstrakte Linkliste präsentiert wird. Und diese Idee kann weiterhin als Leitbild dienen.
Was angestrebt wurde, war, vereinfacht gesagt, diejenigen zu erreichen, die aus den unterschiedlichsten Gründen ihr Gewissen für die größeren Zusammenhänge angesprochen fühlten und sich gestalterisch in diese einbringen wollten. Es wäre nicht treffend, das als „Selbstlosigkeit“ zu bezeichnen, denn gerade das eigene Selbst kann hierbei seine schöpferische Potenz entfalten. Und ein solches Wirken, frei von ideologischen Zwängen, kann auch durchaus Freude und Begeisterung vermitteln. Ähnliches gab es auch früher schon, allerdings unter anderen Vorzeichen. Die 68er Bewegung hatte im Ursprung hohe menschliche Ideale, doch zersplitterte und verirrte sich teils in terroristische Aktivitäten, teils in durch Drogenkonsum geschaffene Illusionen, an deren Stelle auch digitale Scheinwelten traten. Viele resignierten und fügten sich wieder in die vorgegebenen Denk- und Gesellschaftsstrukturen, gerieten so von einer Einseitigkeit – der Ablehnung jeder Tradition - in die andere. Durch all das wurden sie ihren Idealen nicht gerecht, die nicht in dem Maß, wie es gewünscht wurde, den Gang der Geschichte bestimmen konnten. Die Welt entwickelte sich weiter. Die elitäre Globalisierung und das materialistische Bild des Menschen als ein manipulierbares Triebwesen mit automatenhaften intellektuellen Fähigkeiten taten in den folgenden Jahren und Jahrzehnten Einiges dazu, Kultur und Natur zu zerstören. Und man kannte die Konsequenz, die aus einem letztlich immer unkontrollierbaren atomaren Krieg unweigerlich resultieren muss: die Zerstörung eines größeren Teiles, wenn nicht des ganzen Lebens auf der Erde.
Jeder steht angesichts dieses Hintergrunds vor der Wahl: eine lethargisch-konsumorientierte Ego-Haltung zu übernehmen, oder in neuer Form an das anzuknüpfen, was an positiven Impulsen in der 68er Generation lebte, im Sinne einer Renaissance der guten Bestrebungen dieser Zeit und einer Alternative zu dem Bedrohlichen der Gegenwart. Diese Entscheidung verlangt immer wieder eine neue Antwort – und immer wieder daraus resultierende neuer Taten.
Wer sich für die positive Alternative entscheidet, kann aus dem Schicksal der 68er-Bewegung lernen, besonnener und mit größerem Langmut vorzugehen, um dauerhaft etwas zu bewirken. Am Beginn aller Aktivitäten steht der unvoreingenommene Austausch in der Begegnung als freie Individuen, bei dem man sich bei aller wünschenswerten Pluralität über die gemeinsamen Berührpunkte, Wege und Ziele verständigt. So entsteht auch eine äußere „Bewegung“ innerlich bewegter Menschen. Im Zentrum befindet sich gleichsam als Herz nicht eine zentralisierte Führungsgruppe, sondern die gemeinsame Idee, die durch die real stattfindende Bewegung immer wieder neu belebt und zum Schlagen gebracht wird. Und je tiefer sie der Einzelne verinnerlicht, um so mehr wird sie auch in seiner eigenen „Mitte“ ihren Platz finden können. Gegen die Auswucherungen einer Globalisierung, die nur den Reichen dienlich ist, stellen sich so heilende menschliche Kräfte und vernünftige Entwicklungen. Prozesse dieser Art sind bereits überall auf der Welt im Gange. Es kommt darauf an,, dass diese sich gegenseitig wahrnehmen können.
Ideologien sind Erstarrung und hemmen aber jede Bewegung. Das zeigen der gescheiterte Kommunismus und der permanent scheiternde Kapitalismus. Darum ist keine neue Doktrin zu verkünden, sondern man kann sich grundsätzlich Freiraum für jeden alternativen Denkansatz und jedes originelle/kreative Projekt wünschen. Klar ist aber, dass ein Verbindendes gefunden werden muss – die 68er zerschellten nicht zuletzt daran, dass ihre vielfältigen Reformideen kein ideelles Band einte, sondern dass sie durch Ideologien zersplitterten. Was tatsächlich verbindend wirkt, sind darum keine dogmatisch vertretenen Programme, sondern gemeinsame Anliegen und Fragen, welche die gesamte Gesellschaft, beziehungsweise die drei Bereiche, in die sie sich gliedert – Kultur, Staat, Wirtschaft - betreffen. Einige, die sich in Anbetracht der Zeitlage zum Beispiel stellen können, sind folgende:
Wie können wir eine Wirtschaft einrichten, die nicht infolge sozial-darwinistischen Denkens den Profit weniger auf Kosten der Mehrzahl der Menschen und Lebewesen anstrebt, sondern kooperativ vorgeht, um die realen Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen? Wie können wir verhindern, dass der Mensch sich erniedrigt, indem er darin behindert wird, seine Arbeitskraft sinnvoll einzusetzen und sich gezwungen sieht, sie für Tätigkeiten, die nicht seiner individuellen Begabung entsprechen, zu verkaufen? Wie können wir einen Gesetzgebungsprozess gestalten, der alle Bürger direkt und gleichberechtigt mit einbezieht, so dass nicht eine oder mehrere Machtgruppen diesen dominieren oder korrumpieren? Wie können wir erreichen, dass die Freiheit des Einzelnen und der kulturellen apolitischen und awirtschaftlichen Einrichtungen der Gesellschaft wie Wissenschaft, Kunst, Bildungswesen, Religion, Gesundheitswesen, Medien gegenüber Markt und Staat verteidigt und ausgebaut wird? Wie werden die Geldzirkulation transparenter und die Nutzungsrechte des Bodens frei von rein gewinnorientierten Überlegungen gestaltbar sein? Wie wird das Erbgut geschützt vor dem ungehinderten und unbesonnenen Zugriff von Wirtschaft, Staat etc.? All diese Fragen verlangen eine Antwort, wenn die Entwicklung sich zum Positiven wenden soll. Diese Antworten dürfen nicht auf utopischen Vorstellungen, sondern müssen auf der vernünftigen Einsicht – zu welcher der Mensch als denkendes Wesen ja fähig ist – basieren. Es gibt nirgendwo prinzipielle „Feinde“ oder Personengruppen, die man pauschal verurteilen kann, sondern überall Menschen, von denen man hoffen darf, dass sie das Richtige erkennen werden.
Als ein integrierendes Leitbild könnte hier die zuerst von Rudolf Steiner entwickelte Dreigliederung des sozialen Organismus dienen, die als Alternative zu Kapitalismus und Kommunismus gedacht war und Grundlage für eine Friedensordnung nach dem 1. Weltkrieg werden sollte. Sie wurde damals allerdings nicht aufgegriffen. Doch ist sie nach wie vor eine Perspektive, - kein fixes Modell! - , aus der man, gleich vor welchem sonstigen, weltanschaulichen Hintergrund, die gesellschaftlichen Phänomene betrachten, verstehen und sinnvoll gestalten kann. Denn sie geht davon aus, dass Wirtschaft, Staat und Geistesleben ihren jeweils eigenen Prinzipien folgen, ohne dass die eine Sphäre die anderen dominieren dürfe. Eine Gesellschaft, die dies realisiert, wäre eine solche, in der die Möglichkeiten der Macht- und Zwangsausübung über Andere stark verringert wären.
Um wirklich Neues zu schaffen, scheint es nicht günstig, sich in die vorhandenen Strukturen einzufügen, etwa in politische Parteien, zumal, wenn man erlebt, dass die Wirtschaft die Politik und über diese das gesamte kulturelle Leben des Menschen zu beherrschen beginnt – wobei aber selbstverständlich der individuelle Weg zu respektieren ist, der auch in die Politik führen kann. Freie, autonome Zusammenschlüsse von Menschen, die weder in Politik, noch Wirtschaft unmittelbar tätig werden, können aber am ehesten regulierend auf die politischen und wirtschaftlichen Kräfte wirken. Sie können sich als dritte, geistige Kraft zwischen diese stellen und somit für die notwendige Gliederung und einen grundsätzlichen Bewusstseinswandel sorgen. Es wäre falsch, davon auszugehen, dass Alles in Evolution begriffen sein sollte, nur das menschliche Bewusstsein nicht.
Hier kann also ein wesentlicher Anhaltspunkt erkannt werden: die Kultur, das Geistesleben. Aus der Freiheit von pragmatisch-politischen Erwägungen oder profitorientierten Wirtschaftszwecken, können aus diesem Bereich unbelastet Lösungsvorschläge der drängendsten Probleme entstehen - das ist kulturschöpferisches Handeln. Und Initiativen, die so handeln wollen, wie im Sinne des JUL, könnte man vielleicht als „Bewegte Unternehmen“ (also nicht als z.B. Parteien oder Glaubensgemeinschaften) und ihre Mitarbeiter als Kulturmanager bezeichnen. Denn sie spüren auf, was sich an zukünftigen Impulsen entfalten will, und fördern diese.
Wenn man den Eindruck hat, dass die in Mitteleuropa philosophisch ausformulierte individuelle Freiheit als ethisch-spirituelles Ideal bedroht ist, kann man daraus den Impuls gewinnen, sie im Handeln zu verwirklichen und so in der Praxis zu behaupten.
Ein taktisch geschicktes Mittel, um diese Ziele zu erreichen, kann ein wirklich freies und vom Kommerz unabhängiges Presse- und Medienwesen sein.
Die Bedeutung der Medien kennen sowohl Politiker, wie auch Wirtschaftler. Medien entscheiden mit über den Ausgang von Wahlen, wie auch über das Kaufverhalten von Menschen. Daher ist anzustreben, die jeweiligen Anliegen durch unabhängige Organe – Zeitschriften, Radiosender, Fernsehsender etc. – zu artikulieren und so Aufklärung zu betreiben, Diskussionsplattformen zu schaffen, aber auch z.B. engagierten Künstlern eine Darstellungsmöglichkeit zu geben. Die Methoden der Finanzierung dürfen aber keinen zwingenden Einfluss auf den eigentlichen Inhalt haben.
Es mag im Lauf der Zeit vielleicht einmal so scheinen, als seien die Anzeichen für eine solche Bewegung, wie sie hier skizziert wird, verschwunden – aber Ideen können nicht sterben, sondern jederzeit wieder in metamorphosierter Gestalt von Menschen und Menschengruppen neu und au vielfältige Weise aufgegriffen werden, gleich welchen Namen diese tragen. Immer aber wird gelten, dass der Einzelne bei sich selbst beginnen und an sich selber arbeiten muss – um sich so dafür bereit zu machen, zur richtigen Zeit das Richtige zu tun. Und so kann er selbst die Widerstände, die ihm begegnen, auch gerade im Alltäglichen, als „Schulung“ oder Chance begreifen. So etwa die schwere, tägliche Arbeit. Oder auch – umgekehrt - die Erfahrung der Arbeitslosigkeit, die ihm freie Zeit zur Verfügung stellt, die er auf sinnvolle Weise nutzen kann, sei es für eigene oder übergeordnete Ziele und Aufgaben, die er sich stellt.
Dies sind im Wesentlichen die im JUL entwickelten Gedanken und Absichten, die jeweils ihre konkrete Ausgestaltung finden können, wo sie aufgegriffen werden. Sie sind nicht als unabänderliche, dogmatische Behauptungen gemeint, sondern als eine Beschreibung der Eindrücke, Vorstellungen, Absichten und Hoffnungen, welche die Mitwirkenden bewegten und weiter bewegen. So ist zu hoffen, dass Strukturen und Organe entstehen, die im obigen Sinne wirken. Projekte, die so erarbeitet und im Rahmen der dreigegliederten Gesellschaft verwirklichen werden, können als bewusstseinsbildende / bewusstseinsweckende Kraft in die Öffentlichkeit gestellt werden. Die vielfältigen Bestrebungen würden sich – wie angedeutet - von selbst ergänzen.
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